Der globale M&A-Markt schwächelt nicht.
Er verteilt um.
Das ist ein fundamentaler Unterschied. Und wer ihn nicht versteht, wird 2026 keinen Deal abschließen. Nicht weil der Markt tot ist. Sondern weil er zu spät aufgewacht ist.
Was die Daten wirklich zeigen
Dealogic hat die Zahlen für Q1 2026 veröffentlicht. Das globale M&A-Volumen lag beim zweithöchsten Wert, den ein erstes Quartal je verzeichnet hat. Rekordeinnahmen auf der Investmentbanking-Seite. Ein Markt, der auf Hochtouren läuft.
Und gleichzeitig berichten Handelsblatt und andere Marktbeobachter über eine auffällige Verschiebung in EMEA: weniger Transaktionen, aber höhere Volumina pro Deal.
Weniger Deals. Mehr Kapital pro Transaktion.
PwC beschreibt das als K-förmigen M&A-Markt: Die Aktivität konzentriert sich zunehmend auf die größten Transaktionen und die am besten kapitalisierten Käufer. PwC Wer nicht in dieses Profil passt, kommt gar nicht erst in den Prozess.
Warum sich der Markt strukturell verändert hat
Drei Entwicklungen überlagern sich gerade.
Erstens treiben Megadeals und KI-Themen den Markt. In EMEA stiegen die Deal-Werte 2025 um 19 Prozent, während die Anzahl der Transaktionen nahezu stagnierte. Der Anstieg wurde primär durch eine Zunahme von Megadeals getragen, die von 12 auf 20 wuchsen. PwC
Zweitens verschiebt sich das Käuferinteresse sektoral. Technologie führt weiterhin bei den Deal-Werten, aber Finanzdienstleistungen, Industrie und Energie gewinnen stark an Bedeutung. PwC Wer sein Unternehmen als reine Digital-Story positioniert, ohne eine belastbare operative Substanz dahinter, trifft auf deutlich kritischere Käufer als noch vor drei Jahren.
Drittens hat KI die Bewertungslogik verändert. KI beschleunigt strategische Entscheidungen zu Skalierung, Kapazitäten und Daten. Gleichzeitig ist technologischer Wandel zunehmend auch ein Bewertungsrisiko für Zielunternehmen geworden. PwC Wer seine Equity Story nicht aktiv darauf ausrichtet, verliert Punkte im Prozess.
Was das für Gründer im Mittelstand konkret bedeutet
Ich erlebe in meiner Beratungspraxis täglich, was diese Marktveränderung in der Praxis bedeutet. Die ehrliche Diagnose lautet: Die meisten mittelständischen Unternehmen sind nicht bereit.
Nicht weil sie schlechte Geschäftsmodelle hätten.
Sondern weil sie Transaktionsfähigkeit nie aktiv aufgebaut haben.
Der M&A-Markt öffnet sich wieder, aber ungleichmäßig. PwC Wer in den Prozess kommt, kommt wegen dreier Dinge.
Erstens wegen Cashflow-Qualität. Nicht Umsatz. Nicht EBITDA auf dem Papier. Sondern nachweisbare, wiederkehrende Cashflows, die einem Käufer zeigen, dass dieses Unternehmen auch dann verdient, wenn der Markt dreht. Der Cash Conversion Cycle, die Working Capital Struktur, die Saisonalität der Liquidität: das sind die Fragen, die heute jeden Kaufprozess dominieren.
Zweitens wegen Ertragsqualität. Käufer schauen heute hinter das EBITDA. Wie nachhaltig ist die Marge? Wie abhängig ist das Ergebnis von Einmaleffekten, Marketingspend oder dem persönlichen Netzwerk des Gründers? Wer keine saubere Quality of Earnings Geschichte erzählen kann, wird im Prozess abgestraft.
Drittens wegen Finanzierbarkeit. Ein Käufer, der mit Fremdkapital finanziert, muss dem kreditgebenden Institut nachweisen, dass das Unternehmen den Schuldendienst trägt. Wer seinen DSCR nicht kennt, wer keine Sensitivitätsanalysen für verschiedene Szenarien vorlegen kann, wer keine klare Net Working Capital Peg Geschichte hat, verliert Käufer, die kaufen wollen, aber keine Finanzierung bekommen.
Der entscheidende Fehler: Zu spät anfangen
Gründer beginnen mit der Exit-Vorbereitung, wenn bereits ein ernsthafter Käufer im Raum steht. Das ist strukturell zu spät.
Due Diligence beginnt nicht, wenn der erste Datenraum geöffnet wird. Sie beginnt in dem Moment, in dem ein Käufer das Unternehmen zum ersten Mal analysiert. Dieser erste Eindruck entsteht durch die Qualität der Finanzdaten, durch die Sauberkeit des Reportings und durch die Glaubwürdigkeit der Equity Story.
Wer das erst im Prozess aufbaut, hat verloren. Nicht weil es technisch unmöglich wäre. Sondern weil kein erfahrener Käufer einem Unternehmen vertraut, das seine Finanzen auf Zuruf ordnet.
Die Vorbereitung beginnt zwei bis drei Jahre vor dem eigentlichen Prozess.
Was jetzt zu tun ist
Wer 2026 oder 2027 einen Unternehmensverkauf oder eine Beteiligung anstrebt, sollte heute drei Fragen ehrlich beantworten.
Wie robust sind meine Cashflows, wenn der Marketingspend um 30 Prozent sinkt, ein Großkunde wegfällt oder der Markt für drei Quartale stagniert?
Kann ich einem Käufer heute zeigen, was mein bereinigtes EBITDA ist, ohne dass ich Wochen brauche, um die Zahlen zusammenzustellen?
Kenne ich meinen Unternehmenswert als realistische Bandbreite, die ich mit echten Zahlen belegen kann?
Wenn eine dieser drei Fragen nicht klar beantwortet werden kann, ist der Startschuss für die Vorbereitung bereits überfällig.
Der globale M&A-Markt hat in Q1 2026 Rekordeinnahmen erzielt. Das Volumen lag beim zweithöchsten Wert aller Zeiten für ein erstes Quartal. ION Analytics
Der Markt ist aktiv. Er bewegt Kapital. Aber er tut es selektiv.
Wer strukturell vorbereitet ist, wer belastbare Zahlen hat, wer eine glaubwürdige Equity Story erzählen kann und wer versteht, wie ein Käufer denkt: der findet in diesem Markt einen Käufer und erzielt einen Preis, der seinem Unternehmen gerecht wird.
Alle anderen warten. Und das Warten hat in einem selektiven Markt seinen Preis.
Strategiegespräch für CFO-Services & Exit-Vorbereitung: https://eser.capital/erstgespraech/
Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.