M&A-Multiples: Bewertungen im Zeitverlauf und nach Branchen

Kaum eine Zahl wird in M&A-Gesprächen so oft zitiert und so oft missverstanden wie das Multiple. Diese Seite ordnet ein: welche Multiple-Arten es gibt, wie sich Bewertungen in den digitalen Segmenten seit 2019 entwickelt haben und welche Bandbreiten 2026 im DACH-Mittelstand je Branche üblich sind.

Die vier Multiples, die Du kennen musst

Umsatz-Multiple (Revenue Multiple): Unternehmenswert im Verhältnis zum Nettoumsatz. Im Mittelstand nur dort sinnvoll, wo Profitabilität noch keine Rolle spielt oder Margen strukturell vergleichbar sind – etwa bei stark wachsenden SaaS-Modellen. Für profitable E-Commerce- und Dienstleistungsunternehmen ist es als alleinige Kennzahl irreführend: Umsatz ist keine Ertragskraft.

EBITDA-Multiple: Der Standard im Small- und Mid-Cap-M&A. Enterprise Value geteilt durch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – eine Näherung an die operative, kapitalstrukturunabhängige Ertragskraft. Fast alle Branchen-Bandbreiten, die Du in Marktreports siehst, sind EBITDA-Multiples.

Adjusted EBITDA (bereinigtes EBITDA): Die Kennzahl, auf die Käufer tatsächlich bieten. Das rohe EBITDA wird um einmalige, nicht betriebsnotwendige und inhaberbezogene Effekte bereinigt – vom marktüblich normalisierten Geschäftsführergehalt über Einmalkosten bis zu Related-Party-Verträgen. Jede akzeptierte Bereinigung wirkt mit dem vollen Multiple auf den Kaufpreis. Wie das sauber geht, zeigt unser Beitrag zur EBITDA-Bereinigung.

SDE (Seller’s Discretionary Earnings): Bei kleineren, inhabergeführten Unternehmen (typisch unter 1 Mio. EUR Gewinn) üblich: EBITDA plus das volle Inhabergehalt. SDE-Multiples liegen nominal niedriger als EBITDA-Multiples – wer beide verwechselt, verschätzt sich schnell um 30 Prozent und mehr.

Wichtig für Deine Erwartung: Das Multiple ergibt den Enterprise Value – nicht den Betrag auf Deinem Konto. Dazwischen liegen die Equity Bridge (Cash, Schulden, Working Capital) und die Zahlungsstruktur (Upfront, Earn-out, Verkäuferdarlehen). Die Begriffe dazu findest Du im M&A-Glossar, Teil 2.

EBITDA-Multiples digitaler Geschäftsmodelle 2019–2026

2x4x6x8x10x12x 20192020202120222023202420252026
8,0x
SaaS (KMU)
3,8x
D2C-Brands
4,2x
Agenturen
3,0x
Amazon-FBA

Lesehilfe: Stilisierte, indikative Medianverläufe auf Basis von Marktreports und eigener Transaktionspraxis – keine amtliche Statistik. Gut erkennbar: der Bewertungsboom 2020/21 (Niedrigzins, Corona-Sonderkonjunktur, Amazon-Aggregatoren), die scharfe Korrektur 2022/23 mit Zinswende und Aggregator-Konsolidierung sowie die Normalisierung seit 2024. Klicke auf die Segmente, um Linien ein- und auszublenden.

EBITDA-Multiple-Bandbreiten nach Branchen (DACH-Mittelstand, 2026)

Bewege den Regler – rechts erscheint je Branche die indikative Unternehmenswert-Spanne (Enterprise Value).

Einordnung: Indikative EBITDA-Multiple-Spannen für kleine und mittlere Transaktionen (typisch unter 50 Mio. EUR Umsatz) im deutschsprachigen Raum, aggregiert aus aktuellen Experteneinschätzungen und Marktreports (u. a. DUB KMU-Multiples, Stand Q1/2026) sowie eigener Transaktionspraxis. Innerhalb jeder Branche entscheiden Größe, Wachstum, Margenqualität, Kundenkonzentration und Datenqualität über die Position in der Spanne. Der Enterprise Value ist nicht der Auszahlungsbetrag – siehe Equity Bridge.

Was Dein Multiple wirklich treibt

Größe: Größere Unternehmen erzielen strukturell höhere Multiples – mehr Käufer, mehr Fremdfinanzierung, weniger Schlüsselpersonenrisiko. Der Sprung von 1 auf 3 Mio. EUR EBITDA verändert oft nicht nur den Gewinn, sondern auch den Faktor darauf.

Wiederkehrende Erlöse und Kundenbindung: Abo-Modelle, hohe Wiederkaufsraten und geringe Kundenkonzentration heben das Multiple. Ein Kunde mit 40 Prozent Umsatzanteil senkt es zuverlässig.

Kanal- und Plattformrisiko: Der Abstand zwischen FBA-only (2,5–3,5x) und diversifizierten D2C-Brands (3–5x) ist kein Zufall: Käufer bepreisen Abhängigkeit von einer einzelnen Plattform als Risiko.

Inhaberunabhängigkeit: Ein Unternehmen, das ohne den Gründer funktioniert – mit Team, Prozessen und dokumentiertem Wissen – ist ein anderes Produkt als eine One-Man-Show mit denselben Zahlen.

Datenqualität: Der am meisten unterschätzte Hebel. Ein sauberes, monatliches Reporting mit belegbarem Adjusted EBITDA verkürzt die Due Diligence, senkt das wahrgenommene Risiko und verteidigt die Bewertung in der Verhandlung. Genau hier setzt unsere Arbeit als externe CFOs an.

Und wo steht Dein Unternehmen?

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Alle Angaben dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Einzelbewertung. Multiples variieren nach Transaktionsgröße, Marktphase und Unternehmensqualität; für konkrete Entscheidungen ist eine individuelle Analyse erforderlich.