Die teuerste Erkenntnis im M&A wiederholt sich zuverlässig: Gründer beginnen mit der Vorbereitung, wenn der Verkaufswunsch da ist – und verlieren dann Bewertung, Zeit und Nerven, weil das Zahlenwerk der Prüfung nicht standhält. Die gute Nachricht: Zwölf Monate strukturierter Arbeit reichen fast immer, um vom BWA-Blindflug zum due-diligence-festen Unternehmen zu kommen. Hier ist der Fahrplan, den wir in Mandaten tatsächlich abarbeiten.
Quartal 1: Transparenz herstellen
- Reporting-Fundament: Monatsabschluss-Rhythmus mit dem Steuerberater fixieren, Kontenrahmen bereinigen, ein Reporting mit Plan-Ist-Logik und Kommentierung aufsetzen.
- Deckungsbeitragsstruktur: DB-Rechnung bis DB3 je Kanal und Produktgruppe – inklusive Werbekosten und Fulfillment. Das erste Mal tut das weh; ab dem zweiten Monat steuerst Du damit.
- Basis-Hygiene: Verträge sammeln, Gesellschafterthemen sichten, private und geschäftliche Sphäre sauber trennen.
Quartal 2: Ertragskraft dokumentieren
- Add-back-Register aufbauen: Jede Bereinigung ab sofort bei Entstehung erfassen – Datum, Betrag, Beleg, Begründung. Rückwirkend rekonstruieren kostet Glaubwürdigkeit; laufend dokumentieren schafft sie. Die Mechanik dazu steht im Beitrag zur EBITDA-Bereinigung.
- Inhabergehalt normalisieren: Marktgehalt für Deine Rolle dokumentieren (Vergütungsstudien, vergleichbare Stellenprofile) und die Differenz sauber ausweisen.
- Related-Party-Strukturen bereinigen: Verträge mit nahestehenden Personen auf Marktkonditionen bringen – im LTM vor dem Closing will kein Käufer verzerrte Zahlen sehen.
Quartal 3: Steuerung beweisen
- Rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung etablieren und Working-Capital-Kennzahlen (DSO, DPO, DIO) aktiv steuern.
- Treiberbasierter Forecast: Planung aus Traffic, Conversion, Warenkorb und Wiederkauf herleiten – und die eigene Prognosegüte monatlich messen. Nichts überzeugt Käufer mehr als getroffene Pläne.
- Inhaberunabhängigkeit erhöhen: Prozesse dokumentieren, zweite Führungsebene sichtbar machen, Schlüsselwissen aus Deinem Kopf ins Unternehmen holen.
Quartal 4: Transaktionsfähigkeit herstellen
- Datenraum-Grundstruktur anlegen: Financials, Verträge, HR, IP, Compliance – befüllt aus dem laufenden Reporting statt in Nachtschichten.
- Bewertungsrealität herstellen: Adjusted EBITDA und realistische Multiple-Spanne festzurren – die aktuellen Bandbreiten je Branche findest Du in unserer Multiple-Übersicht, Dein Szenario im Exit-Rechner.
- Equity Story schärfen: Wachstumshebel, die ein Käufer heben kann, mit Zahlen unterlegen – das verkauft Zukunft statt Vergangenheit.
Und wenn Du gar nicht verkaufen willst?
Dann ist dieser Fahrplan trotzdem der richtige – er beschreibt schlicht ein gut geführtes Unternehmen. Exit-Readiness ist die härteste Qualitätskontrolle für Financial Excellence: Wer jederzeit verkaufen könnte, führt besser, finanziert günstiger und schläft ruhiger. Der Verkauf wird dadurch vom Stressprojekt zur Option, die Du ziehst, wenn Preis und Zeitpunkt stimmen.
Konkret empfehle ich: Starte mit einer ehrlichen Standortbestimmung entlang der vier Quartale – was davon steht bei Dir bereits, was fehlt? Genau diese Analyse ist der Kern unseres Erstgesprächs, und mit CFO as a Service setzen wir den Fahrplan gemeinsam um.
Strategiegespräch für CFO-Services & Exit-Vorbereitung: https://eser.capital/erstgespraech/
Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.