„Financial Excellence“ klingt nach Beraterfolie – bis eine Bank Deine Kreditlinie prüft, ein Investor Deinen Datenraum öffnet oder ein Käufer Deine Zahlen auseinandernimmt. Dann entscheidet sich in Tagen, ob der Begriff bei Dir Substanz hat. Für mich ist Financial Excellence unser Arbeitskredo und sehr konkret messbar: der Zustand, in dem Dein Zahlenwerk jederzeit belastbar ist – gegenüber Dir selbst, Banken, Investoren und Käufern.
Die sechs Kriterien
1. Monatsreporting mit Entscheidungsqualität
Bis zum zehnten Werktag liegt ein Reporting vor, das nicht dokumentiert, sondern steuert: Plan-Ist-Vergleich, Kommentierung der Abweichungen, klare Handlungsempfehlungen. Wenn Dein „Reporting“ eine BWA vom Steuerberater ist, die drei Wochen nach Monatsende kommt, steuerst Du im Rückspiegel.
2. Deckungsbeitragsstruktur bis DB3
Du kennst die Profitabilität je Kanal, je Produktgruppe, idealerweise je SKU – nach Werbekosten und Fulfillment. Ohne DB3-Sicht ist jede Skalierungsentscheidung ein Ratespiel; mit ihr erkennst Du, welcher Umsatz Wert schafft und welcher nur Beschäftigung.
3. Rollierende Liquiditätsplanung
Eine 13-Wochen-Vorschau, die Wareneinkauf, Steuertermine und Saisonalität abbildet. Working Capital wird aktiv gesteuert – DSO, DPO, DIO sind Kennzahlen mit Verantwortlichen, nicht Buchhaltungsfolklore. Wachstum scheitert im Mittelstand selten am Markt und oft an der Kasse.
4. Belastbarer Forecast
Eine Planung, die von Treibern ausgeht (Traffic, Conversion, Warenkorb, Wiederkauf) statt von Wunschprozenten – und deren Prognosegüte Du rückwirkend misst. Käufer und Banken prüfen genau das: Hat dieses Unternehmen seine eigenen Pläne historisch getroffen?
5. Dokumentiertes Adjusted EBITDA
Ein laufend gepflegtes Add-back-Register mit Belegen statt einer Last-Minute-Bereinigung im Verkaufsprozess. Warum das bares Geld ist, habe ich im Beitrag zur EBITDA-Bereinigung vorgerechnet.
6. Jederzeitige Transaktionsfähigkeit
Die Königsdisziplin: Datenraum-Grundstruktur, saubere Verträge, geordnete Gesellschafterthemen. Nicht weil Du morgen verkaufen willst – sondern weil Exit-Fähigkeit der härteste Qualitätstest für alles davor ist. Welche Faktoren Käufer daraus machen, zeigt unsere Multiple-Übersicht.
Der ehrliche Selbsttest
Gib Dir für jedes der sechs Kriterien null, einen halben oder einen Punkt. Unter drei Punkten steuerst Du Dein Unternehmen im Blindflug – und würdest aktuell weder eine Finanzierungsrunde noch eine Due Diligence unbeschadet überstehen. Vier bis fünf Punkte: solide Basis, gezielte Lücken schließen. Sechs Punkte: Du gehörst zur kleinen Minderheit, die Marktchancen jederzeit nutzen kann.
Konkret empfehle ich: Behandle Financial Excellence nicht als Projekt vor dem Exit, sondern als Betriebssystem. Der Aufbau dauert typisch drei bis sechs Monate – und zahlt sich lange vor jedem Verkauf aus: bessere Margenentscheidungen, günstigere Finanzierungen, ruhigerer Schlaf. Genau dieses Betriebssystem installieren wir mit CFO as a Service in Deinem Unternehmen.
Strategiegespräch für CFO-Services & Exit-Vorbereitung: https://eser.capital/erstgespraech/
Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.