E-Commerce ist von Natur aus ein stark kapitalintensives Geschäftsmodell. Die Vorfinanzierung von Warenbeständen und die sofort fälligen Kosten für die Kundenakquise setzen die Liquidität kontinuierlich unter Druck. Umso erstaunlicher ist es, dass selbst bei etablierten, achtstellig skalierenden Brands ein extrem teures Detail im Wareneinkauf völlig unter dem Radar fliegt: die Abwicklung der Einfuhrumsatzsteuer bei Importen aus Drittländern.
Wenn du das Gefühl hast, dass der Cashflow deines Unternehmens nach großen Warenbestellungen aus Asien regelmäßig für Wochen blockiert ist, liegt die Ursache selten an schlechten Margen. Sie liegt an einem ineffizienten Standardprozess deiner Logistikpartner, der jeden Monat unnötig harte Liquidität frisst.
Der ineffiziente Standardprozess beim Import
Bei einem Großteil der E-Commerce-Unternehmen läuft der Importprozess nach einem festgefahrenen, kostenintensiven Muster ab.
Dein Container oder deine Luftfracht trifft in Europa ein. Die Spedition oder der Logistikdienstleister übernimmt die Zollabwicklung, verauslagt die 19% Einfuhrumsatzsteuer beim Zoll und stellt dir diesen Betrag umgehend in Rechnung.
Das Problem dabei ist zweischneidig:
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Logistiker lassen sich diese Vorleistung in der Regel teuer bezahlen. Sehr oft schlagen sie für diesen Service eine sogenannte Vorlageprovision von 2-3% auf die verauslagte Summe obendrauf.
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Du überweist den Rechnungsbetrag sofort an die Spedition. Zurück bekommst du dieses Geld aber erst Wochen später über deine nächste reguläre Umsatzsteuervoranmeldung vom Finanzamt (als Vorsteuererstattung).
Bei einem Wareneinkauf von 200.000 Euro bindest du auf diesem Weg mal eben 38.000 Euro an Cash. Dieses Kapital ist für vier bis sechs Wochen komplett blockiert und steht dir weder für den Wareneinkauf noch für das Performance Marketing zur Verfügung.
Die Aufschubbewilligung
Ein professionelles Working Capital Management setzt genau hier an. Der simple, aber hochgradig effektive Hebel, um diese Liquiditätsfalle zu umgehen, ist das sogenannte Zollaufschubkonto (offiziell: Aufschubbewilligung beim Hauptzollamt).
Wenn du dieses Konto einmalig einrichtest und deine EORI-Nummer (Economic Operators’ Registration and Identification) entsprechend bei deinen Logistikern hinterlegst, durchbrichst du den teuren Standardprozess. Du zahlst die Einfuhrumsatzsteuer fortan nicht mehr sofort an die Spedition.
Stattdessen bucht der Zoll den Betrag gebündelt ab – und zwar erst am 16. des Folgemonats, direkt von deinem Geschäftskonto.
Warum das System den Cashflow schützt
Die Verlagerung des Zahlungsziels auf den 16. des Folgemonats ist ein absoluter Gamechanger für das Cash-Management deines Unternehmens.
Bis zu diesem Stichtag hast du deine Umsatzsteuervoranmeldung in der Regel längst beim Finanzamt eingereicht. Das bedeutet: Die zu zahlende Einfuhrumsatzsteuer (die der Zoll einzieht) und die Vorsteuererstattung (die du vom Finanzamt erhältst) heben sich zeitlich nahezu perfekt auf.
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Der Cashflow-Effekt liegt bei null. Es wird keine Liquidität mehr über Wochen hinweg eingefroren.
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Margen-Schutz: Du sparst dir ab sofort die komplett überflüssigen Vorlageprovisionen der Logistikdienstleister, was deine operative Marge bei jedem Import direkt verbessert.
Operative Exzellenz und Enterprise Value werden im E-Commerce nicht nur durch Umsatzwachstum geschaffen, sondern durch die intelligente Strukturierung der Finanzen. Wer beim Wareneinkauf in Vorleistung geht, überlässt Logistikern zinslose Darlehen und verschenkt wertvolles Wachstumskapital.
Zieh dir deine letzte Import-Rechnung und prüfe detailliert, wie die Steuer dort abgewickelt wird. Wenn ihr in Vorleistung geht und Provisionen zahlt, beantrage umgehend ein eigenes Aufschubkonto beim Zoll. Dieser einmalige administrative Akt sichert deinem Unternehmen ab dem ersten Tag dauerhaft zehntausende Euro an freier Liquidität.
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Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.