Die häufigste Antwort, die ich in Erstgesprächen auf die Frage nach der Liquiditätsplanung bekomme: „Wir schauen regelmäßig auf das Konto.“ Das ist keine Planung, das ist Beobachtung. Der Unterschied wird immer genau dann schmerzhaft, wenn er teuer ist – vor der Wareneinkaufssaison, bei der Umsatzsteuernachzahlung, beim geplatzten Zahlungsziel eines Großkunden. Das Instrument dagegen ist seit Jahrzehnten dasselbe und hat sich in jeder Restrukturierung bewährt: die rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung.
Warum 13 Wochen?
Ein Quartal im Wochenraster – kurz genug, um präzise zu sein, lang genug, um Gegenmaßnahmen zu ermöglichen. Wer eine Lücke in Woche elf sieht, kann handeln: Finanzierung anfragen, Zahlungsziele verhandeln, Einkauf verschieben. Wer sie erst im Monatsreporting entdeckt, kann nur noch reagieren. Genau deshalb verlangen Banken und Investoren in angespannten Situationen zuerst diesen Report – wer ihn schon führt, signalisiert Steuerungsfähigkeit, lange bevor es kritisch wird.
Der Aufbau
Die Struktur ist bewusst einfach: Anfangsbestand liquider Mittel, darunter die Einzahlungen der Woche (Shop-Auszahlungen der Zahlungsdienstleister, Marktplatz-Payouts, B2B-Zahlungseingänge, sonstige Zuflüsse), darunter die Auszahlungen (Wareneinkauf, Marketing, Personal, Miete und Fixkosten, Umsatzsteuer-Termine, Tilgung und Zins, Einmaleffekte). Ergibt den Endbestand, der zum Anfangsbestand der Folgewoche wird. Entscheidend sind zwei Disziplinen: Erstens direkte Methode – geplant werden Zahlungsflüsse, nicht Erträge und Aufwände; eine Umsatzbuchung ist noch kein Geld, wie jeder weiß, der auf einen Amazon-Payout wartet. Zweitens Steuertermine ernst nehmen: Umsatzsteuer-Voranmeldungen und die Einfuhrumsatzsteuer sind bei DTC-Brands die häufigsten Liquiditätskiller – zu Letzterer gibt es einen eigenen Beitrag.
Der Betrieb: Freitag, 30 Minuten
Der Plan lebt vom Rhythmus: einmal pro Woche Ist-Abgleich, Plan-Anpassung, eine Woche hinten anfügen. In den meisten Mandaten reicht dafür eine halbe Stunde am Freitag – vorausgesetzt, die Datenquellen stehen. Ob das in einer sauberen Excel-Vorlage oder in einem Tool wie Agicap, Commitly oder re:cap passiert, ist zweitrangig und eine Frage der Komplexität; einen Überblick gibt der Beitrag zu den Liquiditätsplanungs-Tools. Nicht zweitrangig ist die Konsequenz: Eine 13-Wochen-Planung, die drei Wochen nicht aktualisiert wurde, ist keine.
Und der Bonus, an den beim Aufsetzen niemand denkt: In jeder Due Diligence gehört die Liquiditätsplanung zu den ersten Anfragen. Wer dann eine gepflegte 13-Wochen-Historie zeigt, hat einen Vertrauensvorschuss, den kein Information Memorandum ersetzt.
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