Forecasting in Excel oder im Tool? Wann sich der Wechsel rechnet – und wann nicht

Zur ehrlichen Bestandsaufnahme gehört ein unbequemer Satz: Die meisten Forecasting-Tool-Käufe, die ich gesehen habe, kamen zu früh. Nicht weil die Tools schlecht wären – sondern weil ein Werkzeug gekauft wurde, bevor der Prozess existierte, den es beschleunigen soll. Die Frage „Excel oder Tool?“ ist deshalb in Wahrheit zwei Fragen: Steht unsere Forecast-Logik? Und erst danach: Wo lebt sie am besten?

Was Excel besser kann, als sein Ruf sagt

Excel ist das beste Werkzeug der Welt, um eine Planungslogik zu entwickeln: Treiberbäume skizzieren, Annahmen testen, die Struktur so lange umbauen, bis sie das Geschäft wirklich abbildet – wie im Beitrag zum Rolling Forecast beschrieben. Diese Entwicklungsphase in einem Tool zu durchlaufen ist zäh, weil jede Strukturänderung gegen die Software verhandelt werden muss. Ein sauber gebautes Treibermodell in Excel, versioniert und mit getrennten Blättern für Annahmen, Ist und Output, trägt ein Unternehmen bis in mittlere Umsatzgrößen problemlos.

Die vier Signale für den Wechsel

Erstens Kollaboration: Sobald mehrere Personen gleichzeitig planen – Marketing die Budgets, Einkauf die Wareneingänge, Finance das Gesamtbild – wird die eine Datei zum Engpass und Versionskonflikt. Zweitens Ist-Integration: Wenn jeden Monat Stunden in das Einspielen der Ist-Zahlen aus DATEV und Vorsystemen fließen, bezahlen Sie den Tool-Preis bereits in Arbeitszeit. Drittens Szenarien: Wer regelmäßig Best, Base und Worst parallel führen und aktualisieren will, stößt in Excel an die Grenze der Wartbarkeit. Viertens Konsolidierung über mehrere Gesellschaften. Zwei dieser vier Signale dauerhaft aktiv – dann rechnet sich der Wechsel.

Wie die Tool-Auswahl gelingt

Das Angebot reicht von Controlling-Suiten mit Planungsmodul – etwa Companyon aus unserem Tool-Vergleich – über dedizierte FP&A-Plattformen bis zu E-Commerce-BI mit Forecast-Funktionen. Drei Auswahlregeln: Das Tool muss Ihre bestehende Treiberlogik abbilden können, nicht Sie seine; die Ist-Anbindung an DATEV und Ihre Vorsysteme muss nachweislich funktionieren, nicht laut Prospekt; und der Forecast muss dort landen, wo gesteuert wird – im Monatsreporting, nicht in einem weiteren Dashboard, das niemand öffnet. Und die wichtigste Regel bleibt werkzeugunabhängig: Ein Forecast ist so gut wie der Prozess, der ihn monatlich aktualisiert. Excel diszipliniert nicht, aber ein Tool eben auch nicht.

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