Über Finanzierungen wird gern in Zinssätzen diskutiert – entschieden werden sie über eine andere Größe: die Kapitaldienstfähigkeit. Sie beantwortet die einzige Frage, die einen Kreditgeber wirklich interessiert: Verdient dieses Unternehmen nachhaltig genug, um Zins und Tilgung zu bedienen – auch wenn es einmal nicht nach Plan läuft?
Die Rechnung
Ausgangspunkt ist der nachhaltige Cashflow: vereinfacht das EBITDA, bereinigt um Einmaleffekte, minus Ersatzinvestitionen, Steuern und – bei wachsenden Händlern entscheidend – die Working-Capital-Bindung des Wachstums. Dem gegenüber steht der Kapitaldienst: sämtliche Zins- und Tilgungsverpflichtungen der nächsten zwölf Monate, über alle Verträge hinweg, inklusive Leasing und der still wachsenden Schicht aus RBF- und Warenfinanzierungen. Das Verhältnis beider Größen ist die Schuldendienstdeckung, der DSCR. Ein Wert von 1,0 heißt: Es reicht exakt – also reicht es nicht, denn jede Planabweichung kippt die Rechnung. Banken wollen üblicherweise mindestens 1,2 bis 1,5 sehen, je nach Volatilität des Geschäftsmodells; in Kreditverträgen taucht die Schwelle dann als Covenant wieder auf, deren Verletzung Nachverhandlungen oder Sonderkündigungsrechte auslöst.
Die E-Commerce-Falle: viele kleine Kapitaldienste
Die klassische Schwäche von DTC-Brands ist nicht der eine große Kredit, sondern die Summe der kleinen: eine RBF-Tranche hier, eine Warenfinanzierung dort, zwei Leasingverträge, ein Gesellschafterdarlehen – jede Linie für sich tragbar, die Summe nie durchgerechnet. Der erste Schritt ist deshalb banal und wirkungsvoll: ein vollständiger Kapitaldienstplan über alle Verpflichtungen und die nächsten 24 Monate, abgeglichen mit der Liquiditätsplanung und dem Worst-Case-Szenario. Wer den vorlegen kann, führt Bankgespräche in einer anderen Tonlage.
Die Kennzahl verbessern – vor der Anfrage
Drei Hebel wirken am schnellsten: Erstens den Zähler ehrlich stärken – dokumentierte EBITDA-Bereinigungen, die einer Prüfung standhalten, statt kreativer Hinzurechnungen. Zweitens den Nenner strukturieren: teure kurzlaufende Finanzierungen konsolidieren, Tilgungsprofile ans Saisonmuster anpassen – eine Q1-lastige Tilgung passt nicht zu einem Q4-lastigen Geschäft. Drittens das Working Capital entlasten, denn jeder Tag weniger im Cash Conversion Cycle verbessert den Cashflow, ohne dass eine einzige Vertragsverhandlung nötig wäre. Und zuletzt der Blick nach vorn: Auch Unternehmenskäufer rechnen die Kapitaldienstfähigkeit – jede Akquisitionsfinanzierung hängt daran, dass Ihr Unternehmen seinen eigenen Kaufpreis mittragen kann. Eine starke DSCR-Historie ist damit still auch ein Verkaufsargument.
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