Unternehmens(ver)käufe aus Notarsicht: Dr. Jan Hupka über Deals, Finanzierungen und Fallstricke (#206)

Unternehmens(ver)käufe aus Notarsicht: Dr. Jan Hupka über Deals, Finanzierungen und Fallstricke (#206)

Am Ende fast jeder Transaktion sitzt ein Notar – und kaum jemand spricht darüber, was an diesem Tisch wirklich passiert. Dr. Jan Hupka gehört zu den renommiertesten Notaren für Unternehmenstransaktionen im deutschsprachigen Raum, ursprünglich Rechtsanwalt im klassischen M&A-Geschäft bei Hengeler Mueller, heute Notar in Hamburg.

In der 206. Folge meines Digital Business Podcasts haben wir über die Perspektive gesprochen, die in keinem Verkaufsprospekt steht: Was sieht ein Notar, kurz bevor Deals unterschrieben werden? Wo scheitern Transaktionen auf den letzten Metern, welche Rolle spielen Finanzierungen – und was sollten Verkäufer wissen, lange bevor sie zum ersten Mal in einem Notariat sitzen? Für alle, die einen Exit planen, ist diese Folge Pflichtprogramm.

Worum es in dieser Folge geht

In der 206. Folge begrüßt Matthias Walter Eser einen der renommiertesten Notare für Unternehmenstransaktionen im deutschsprachigen Raum: Dr. Jan Hupka, Notar in Hamburg – ursprünglich Rechtsanwalt im klassischen M&A-Geschäft bei Hengeler Mueller, einer der führenden deutschen Wirtschaftskanzleien.

Das Gespräch ist kein klassisches Notariatsinterview. Es ist eine schonungslos klare Bestandsaufnahme der deutschen Transaktionslandschaft 2026 – mit deutlich weniger Volumen, deutlich längeren Prozessen, deutlich vorsichtigeren Käufern und einer wachsenden Asymmetrie zwischen medial gehypten Konstrukten (Search Funds, ETAs) und tatsächlich beurkundeten Deals. Jan spricht offen über die Mechanik moderner Kaufverträge, über die Haftungsrealität eines Notars (persönlich, unbeschränkt), über das wachsende Problem KI-generierter Vertragsentwürfe und über die strukturellen Fehler, die Unternehmer bei der eigenen Nachfolgeplanung systematisch machen.

Was du in dieser Folge lernst:

  • Warum der deutsche M&A-Markt 2026 strukturell ein Käufermarkt ist – und welche Konsequenz das für Preisvorstellungen, Vertragsausgestaltung und Risikoteilung hat (Earnout-Klauseln, Rückbeteiligungen, MAC-Klauseln als Reaktion auf geopolitische und makroökonomische Unsicherheit)
  • Warum Earnout-Konstruktionen und Rückbeteiligungen zwar Deals retten, aber strukturell Streitpotenzial im Dauerschuldverhältnis erzeugen – und warum Earnouts juristisch sauberer ausgestaltbar sind als nachträglich „scharfgestellte“ MAC-Klauseln
  • Warum die Vorsorgevollmacht des Unternehmers der vermutlich am häufigsten unterschätzte Single Point of Failure im deutschen Mittelstand ist – und wie ein Autounfall ohne organschaftliche Vertretung eine funktionierende GmbH binnen Wochen in den Ruin führen kann
  • Warum die gesetzliche Erbfolge in 90 % der Fälle das schlechteste denkbare Szenario für ein Unternehmen ist – Stichwort Erbengemeinschaft, minderjährige Erben, Ergänzungspfleger, familiengerichtliche Genehmigung – und warum ein notarielles Testament im Long Run sogar günstiger ist als das handschriftliche
  • Warum ein Erbscheinsverfahren in Hamburg sechs bis zwölf Monate dauern kann – und was das in der Praxis für die Handlungsfähigkeit eines mittelständischen Unternehmens bedeutet
  • §1365 BGB als unterschätzter Deal-Killer: Warum ein verheirateter Verkäufer ohne Ehevertrag die Zustimmung des Ehepartners zum Unternehmensverkauf benötigt – und welche Konsequenzen ein laufendes Scheidungsverfahren auf den Beurkundungstermin haben kann
  • Locked Box vs. Closing Accounts: Welche Kaufpreismechanik bei welcher Deal-Size in der Praxis dominiert – und warum Notare bei Small-/Mid-Cap-Transaktionen eine völlig andere Rolle einnehmen als bei Large-Cap-Deals mit Top-Tier-Anwaltskanzleien auf beiden Seiten
  • Warum die Notarhaftung persönlich, unbeschränkt und subsidiär ist – und warum kein seriöser Notar einen technisch unausgegorenen Vertrag beurkundet, selbst wenn die Parteien das wirtschaftlich wollen würden (Präventivkontrolle als volkswirtschaftlicher Wert)
  • Wie KI-generierte Vertragsentwürfe zunehmend die Kapazitäten der Notariate sprengen – inklusive konkretem Praxisbeispiel eines anwaltlichen Schriftsatzes mit nicht entferntem Prompt-Text („die prozessuale Stoßrichtung schlage ich vor wie folgt“)
  • Beurkundungspflicht bei Wandeldarlehen (CLAs) und Shareholder Agreements: Wann ein scheinbar harmloser Vertrag plötzlich gesamthaft beurkundungspflichtig wird – und warum unwirksame Wandeldarlehen den Rückforderungsanspruch des Geldgebers auslösen können (mit existenzieller Konsequenz für junge Gesellschaften)
  • Warum der aktuelle Trend dahin geht, beurkundungspflichtige Elemente vom SHA in den Gesellschaftsvertrag zu verlagern – und welche Drag-Along-, Tag-Along- und Verwässerungsklauseln die Beurkundungspflicht überhaupt auslösen
  • Digitale Beurkundung in Deutschland: Was über das Tool der Bundesnotarkammer geht (Gründungen, Satzungsänderungen, Handelsregisteranmeldungen) – und warum der Unternehmenskaufvertrag aus gutem Grund weiterhin in Präsenz beurkundet werden muss

Die zentrale Botschaft dieses Gesprächs ist nicht juristischer, sondern strategischer Natur: Der Notar ist kein bürokratischer Erfüllungsgehilfe am Ende eines Deals, sondern ein Präventiv-Instrument, das frühzeitig in die Strukturierung von Transaktionen, Finanzierungen und Nachfolgekonstellationen eingebunden gehört. Wer den Notar erst am Beurkundungstag das erste Mal sieht, hat in der Regel bereits Geld, Zeit oder Sicherheit auf dem Tisch liegen lassen.

Jan Hupkas wichtigste Botschaft: Geh frühzeitig auf den Notar zu. 

Egal ob Unternehmenskauf, Wandeldarlehen, Shareholder Agreement, Ehevertrag, Vorsorgevollmacht oder Testament – jede dieser Konstellationen hat einen Punkt, an dem eine spätere Korrektur unverhältnismäßig teuer wird oder gar nicht mehr möglich ist. Ein Unternehmer, der sein Lebenswerk nicht testamentarisch und vollmachtsrechtlich absichert, baut sich selbst in das Haus ein, das er eigentlich an die nächste Generation übergeben wollte.

👇 Links & Ressourcen zur Folge:

Angaben gemäß § 5 TMG

ESER Capital Advisory Partners GmbH
vertreten durch: Herrn Matthias Walter Eser
Adlerstraße 9
82467 Garmisch-Partenkirchen

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Über den Digital Business Podcast

Im Digital Business Podcast spreche ich mit Unternehmern, Investoren und Operatoren über das, was hinter den Kulissen von E-Commerce, M&A und Unternehmensführung wirklich passiert – ohne Hochglanz, dafür mit Substanz. Über 210 Folgen, regelmäßig neu. Alle Folgen finden Sie auf der Podcast-Seite, bei Spotify und Apple Podcasts.

Und wenn die Themen dieser Folge bei Ihnen gerade akut sind: Im kostenfreien Erstgespräch übersetzen wir sie in einen konkreten Plan für Ihr Unternehmen.

Mehr davon? Matthias publiziert nahezu täglich CFO- & M&A-Insights auf LinkedIn – und als Video auf YouTube.

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