„Wir setzen stark auf KI“ steht inzwischen in fast jedem Information Memorandum. Die unbequeme Frage aus Käufersicht lautet: Wo genau – und was wäre der EBITDA-Effekt, wenn ihr es nicht tätet? An der Antwort entscheidet sich, ob KI-Einsatz Dein Multiple hebt oder als Marketingfloskel abgetan wird.
Wann KI bewertungsrelevant ist
Messbare Margenwirkung: Wenn Du zeigen kannst, dass automatisierter Kundenservice, maschinelle Content-Produktion oder KI-gestützte Werbeaussteuerung Deine Kostenquoten nachweislich gesenkt haben – mit Vorher-Nachher-Zahlen im Reporting –, kauft der Erwerber einen strukturellen Vorteil, keine Behauptung. Das trägt ein höheres Multiple.
Reduzierte Personenabhängigkeit: Dokumentierte, teilautomatisierte Prozesse senken das Schlüsselpersonenrisiko – einen der klassischen Multiple-Dämpfer. Ein Unternehmen, dessen Wissen in Systemen statt in Köpfen steckt, ist leichter übertragbar.
Skalierbarkeit mit Beleg: Wenn zusätzlicher Umsatz nachweislich unterproportional Personal erfordert, verändert das die Zukunftsrechnung des Käufers direkt.
Wann KI zum Bewertungsrisiko wird
Die Kehrseite sehe ich häufiger: KI-Rhetorik ohne Prozessdokumentation wirkt in der Due Diligence wie jede andere unbelegte Behauptung – sie beschädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Zahlenwerks. Kritisch wird es auch bei Abhängigkeiten: Wenn Kernleistungen an einzelnen externen Modellen oder Tools hängen, deren Preise und Verfügbarkeit Du nicht kontrollierst, bepreist der Käufer das als Risiko. Und bei KI-generierten Inhalten stellt sich zunehmend die Rechtefrage – dazu mehr im Beitrag über KI-Risiken in der Due Diligence.
Die Prüffragen, die Du beantworten können musst
Welche Prozesse laufen KI-gestützt, und wie sind sie dokumentiert? Was ist der quantifizierte Effekt auf Kostenquoten oder Durchlaufzeiten? Welche Tool-Abhängigkeiten bestehen, zu welchen Konditionen? Wer im Team beherrscht die Systeme – und was passiert, wenn diese Person geht?
Konkret empfehle ich: Führe ein KI-Register wie ein Add-back-Register: je Einsatzfeld der Prozess, der messbare Effekt, die Abhängigkeiten. Damit wird aus dem Buzzword ein Bewertungsargument – und Du kontrollierst die Story, statt sie in der Q&A-Runde zu improvisieren. Wo Dein Multiple grundsätzlich liegt, zeigt unsere Multiple-Übersicht; was es treibt, der Beitrag zu den fünf Multiple-Treibern.
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Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.