KI-Risiken in der Due Diligence: Was Verkäufer 2026 offenlegen müssen

KI-Risiken in der Due Diligence: Was Verkäufer 2026 offenlegen müssen

Vor zwei Jahren fragte in Due-Diligence-Prozessen niemand nach KI. Heute taucht der Themenblock in fast jeder Anforderungsliste auf – oft unter „IT & IP“, zunehmend als eigene Kategorie. Wer hier unvorbereitet ist, produziert genau die Sorte Überraschung, die Kaufpreise drückt oder Garantiekataloge verlängert.

Die vier Prüffelder

1. Rechte an KI-generierten Inhalten: Produkttexte, Bilder, Werbemittel aus generativen Tools – wem gehören sie, und welche Nutzungsbedingungen der Anbieter gelten? Käufer wollen wissen, ob zentrale Assets Deiner Marke auf rechtlich unklarem Fundament stehen. Sauber ist: dokumentieren, welche Inhalte wie entstanden sind und unter welchen Lizenzbedingungen.

2. Datenschutz und Datenabflüsse: Welche Kunden- oder Mitarbeiterdaten sind in welche Tools geflossen? Gab es Auftragsverarbeitungsverträge? Ein unbedacht mit Kundendaten gefüttertes Cloud-Tool kann in der DD vom Effizienzbeweis zum Compliance-Befund werden.

3. Tool- und Modell-Abhängigkeiten: Kernprozesse, die an einem einzelnen Anbieter hängen, sind ein Fortführungsrisiko – Preisänderungen, API-Umstellungen, Abkündigungen. Käufer erwarten eine Übersicht der Abhängigkeiten samt Ausweichszenarien.

4. Arbeits- und Mitbestimmungsthemen: Wo KI Entscheidungen über Menschen unterstützt (Bewerbungen, Leistungsbewertung), gelten erhöhte Anforderungen. Auch die stille Nutzung durch Mitarbeitende – Stichwort Schatten-KI – gehört adressiert, per Richtlinie statt per Verbotskultur.

Warum das für Verkäufer eine Chance ist

Die meisten Deiner Wettbewerber im Verkaufsprozess haben auf diese Fragen keine Antworten. Ein einseitiges KI-Inventar im Datenraum – Tools, Zwecke, Datenflüsse, Verträge, Verantwortliche – kostet einen Nachmittag und signalisiert genau die Professionalität, die Vertrauen in den Rest des Datenraums schafft.

Konkret empfehle ich: Erstelle das KI-Inventar jetzt, nicht erst im Prozess, und lass die rechtlichen Punkte von einer spezialisierten Kanzlei gegenlesen – die Investition ist im Verhältnis zu einer einzigen Garantieverhandlung trivial. Rechtliche Einordnung ersetzt dieser Beitrag ausdrücklich nicht. Wie der DD-Prozess insgesamt abläuft, beschreibt unsere Serie Der M&A-Prozess aus Anwaltssicht.


Strategiegespräch für CFO-Services & Exit-Vorbereitung: https://eser.capital/erstgespraech/

Über den Autor: Matthias Walter Eser ist Gründer von ESER CAPITAL und agiert als externer CFO und strategischer M&A Berater mit Fokus auf E-Commerce- und Digitalunternehmen. Er begleitet Gründer von der Skalierung bis zum Exit und sorgt dafür, dass finanzielle Exzellenz kein Zufallsprodukt ist. Er ist zudem Mitglied im international renommierten FORBES Finance Council.

Mehr davon? Matthias publiziert nahezu täglich CFO- & M&A-Insights auf LinkedIn – und als Video auf YouTube.

Das könnte Dich auch interessieren