Definition – W&I-Versicherung: Die W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity) ist eine Transaktionsversicherung, die Schäden aus der Verletzung von Verkäufergarantien im Unternehmenskaufvertrag abdeckt. Üblich ist die Buy-Side-Police: Der Käufer macht Ansprüche direkt gegen den Versicherer geltend, der Verkäufer haftet – abgesehen von Arglist – nur noch minimal und erhält einen weitgehend sauberen Exit.
Welches Problem die W&I-Versicherung löst
Der Garantienkatalog im SPA erzeugt ein Grundproblem: Der Verkäufer will nach dem Closing abschließen – finanziell und mental. Der Käufer will einen solventen Haftungsschuldner für den Fall, dass Garantien brechen. Klassisch wird das über Escrow-Konten und persönliche Haftung gelöst; die W&I-Versicherung ersetzt beides durch eine Police: Bricht eine versicherte Garantie, zahlt der Versicherer. Marktstandard ist die Buy-Side-Police – der Käufer ist Versicherungsnehmer und wendet sich direkt an den Versicherer, die Haftung des Verkäufers wird im SPA auf einen symbolischen Betrag reduziert („clean exit“).
Kosten, Selbstbehalt, Ausschlüsse
Die Prämie liegt marktüblich bei 1 bis 2 Prozent der Deckungssumme, einmalig bei Abschluss; dazu kommt ein Selbstbehalt (Retention), oft 0,5 bis 1 Prozent des Unternehmenswerts. Versichert sind nur unbekannte Risiken: Was in der Due Diligence identifiziert oder im Datenraum offengelegt wurde, ist vom Deckungsumfang ausgeschlossen – dafür braucht es weiterhin Freistellungen oder spezielle Policen (etwa Tax Liability Insurance). Ebenfalls ausgeschlossen sind regelmäßig Arglist des Verkäufers, Kaufpreisanpassungen, Planzahlen und bekannte Rechtsstreitigkeiten. Wichtig: Der Versicherer prüft die Qualität der Due Diligence – eine dünne Prüfung führt zu Ausschlüssen oder Ablehnung. Die W&I-Police ist damit kein Ersatz für Prozessqualität, sondern ihre Belohnung.
Wann sich die Police lohnt
Ihre Heimat hat die W&I-Versicherung in Private-Equity-Exits: Fonds können und wollen nach dem Closing keine Garantiehaftung tragen. Zunehmend erreicht sie den gehobenen Mittelstand – sinnvoll wird sie meist ab Transaktionswerten im mittleren zweistelligen Millionenbereich; darunter stehen Prämie, Selbstbehalt und Prozessaufwand oft außer Verhältnis. Für Gründer und Familienunternehmer im kleineren Segment bleibt die realistische Absicherungsarchitektur: verhandelte Haftungsgrenzen, ein maßvolles Escrow – und vor allem ein Zahlenwerk, das Garantiebrüche gar nicht erst entstehen lässt.
Häufige Fragen zu W&I-Versicherung
Was kostet eine W&I-Versicherung?
Die Einmalprämie liegt marktüblich bei 1 bis 2 Prozent der Deckungssumme, hinzu kommen Underwriting-Gebühren und der Selbstbehalt. Bei einer Deckung von 10 Mio. EUR sind also grob 100.000 bis 200.000 EUR Prämie realistisch – wer sie trägt, ist Verhandlungssache und oft im Kaufpreis eingepreist.
Deckt die W&I-Versicherung auch bekannte Risiken ab?
Nein – versichert sind nur unbekannte Garantieverletzungen. Identifizierte Risiken aus der Due Diligence und offengelegte Sachverhalte sind ausgeschlossen; für konkrete Einzelrisiken gibt es Speziallösungen wie Tax- oder Litigation-Policen, sonst bleiben Freistellungen das Mittel der Wahl.
Haftet der Verkäufer mit W&I-Versicherung gar nicht mehr?
Fast: Bei der marktüblichen Buy-Side-Police wird die Verkäuferhaftung im Kaufvertrag auf einen symbolischen Betrag begrenzt. Ausgenommen bleibt regelmäßig Arglist – wer wissentlich falsche Garantien abgibt, haftet immer persönlich.
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