SPA (Share Purchase Agreement): Aufbau des Unternehmenskaufvertrags einfach erklärt

SPA (Share Purchase Agreement): Aufbau des Unternehmenskaufvertrags einfach erklärt

Definition – SPA (Share Purchase Agreement): Das SPA (Share Purchase Agreement) ist der Unternehmenskaufvertrag über Gesellschaftsanteile. Es regelt Kaufgegenstand, Kaufpreis und Kaufpreismechanismus, Garantien und Freistellungen, Haftungsgrenzen sowie den Vollzug der Transaktion. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen ist das SPA notariell zu beurkunden.

Der Aufbau eines SPA

So unterschiedlich Transaktionen sind, so ähnlich ist die Architektur des Vertrags: Parteien und Kaufgegenstand, Kaufpreis samt Mechanismus (Locked Box oder Closing Accounts mit Working-Capital-Anpassung), die Regelungen zu Signing und Closing mit Vollzugsbedingungen, dann das Herzstück: der Garantienkatalog des Verkäufers, die Freistellungen für identifizierte Risiken und das Haftungsregime. Dazu kommen Wettbewerbsverbote, Vertraulichkeit und die üblichen Schlussbestimmungen samt Streitbeilegung.

Garantien, Freistellungen, Haftungsgrenzen

Der Verkäufer garantiert einen Katalog von Zuständen – von der wirksamen Inhaberschaft der Anteile über die Richtigkeit der Abschlüsse bis zu Steuern, Arbeitsverhältnissen und IP. Verletzt er eine Garantie, schuldet er Schadensersatz. Für bekannte Risiken aus der Due Diligence greifen stattdessen Freistellungen: Der Verkäufer stellt den Käufer von einem konkreten Risiko frei, etwa einer laufenden Betriebsprüfung. Die Haftung wird begrenzt durch De-minimis-Schwellen (Bagatellgrenze je Einzelfall), Baskets (Freigrenze für die Summe der Ansprüche), Caps (Haftungshöchstbetrag, bei operativen Garantien oft 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises) und Verjährungsfristen. Abgesichert werden Ansprüche über Escrow-Konten, Holdbacks oder eine W&I-Versicherung.

Worauf es aus Verkäufersicht ankommt

Erstens: Das Zahlenwerk hinter den Bilanzgarantien muss stimmen – jede Garantie ist nur so belastbar wie die Buchhaltung, auf die sie sich bezieht. Zweitens: Disclosure nutzen. Was ordnungsgemäß im Datenraum offengelegt wurde, kann regelmäßig keine Garantieverletzung mehr begründen – saubere Offenlegung ist damit aktiver Haftungsschutz. Drittens: Das Zusammenspiel von Kaufpreismechanismus und Garantien verstehen; wer bei der Locked Box schlecht verhandelt, holt sich das Risiko über die Bilanzgarantie zurück. Und viertens: Ein SPA verhandelt man nicht ohne spezialisierten M&A-Anwalt – die wirtschaftlichen Weichen werden allerdings vorher gestellt, im LOI und in der Qualität der Verkaufsunterlagen.

Häufige Fragen zu SPA (Share Purchase Agreement)

Muss ein Unternehmenskaufvertrag notariell beurkundet werden?

Beim Verkauf von GmbH-Geschäftsanteilen ja – sowohl die Verpflichtung als auch die Abtretung sind nach § 15 GmbHG beurkundungspflichtig. Aktien und Kommanditanteile lassen sich grundsätzlich formfrei übertragen; Schriftform ist dennoch selbstverständlicher Standard.

Was ist der Unterschied zwischen Garantie und Freistellung im SPA?

Garantien sichern unbekannte Risiken ab: Der Verkäufer steht für einen Zustand ein und haftet bei Abweichung. Freistellungen decken bekannte, konkret benannte Risiken – der Käufer wird schadlos gestellt, wenn sich genau dieses Risiko realisiert, meist außerhalb der Haftungsgrenzen des allgemeinen Regimes.

Wie lange haftet der Verkäufer nach dem Unternehmensverkauf?

Das regeln die vertraglichen Verjährungsfristen: marktüblich 12 bis 24 Monate für operative Garantien, deutlich länger für Fundamentalgarantien (Inhaberschaft der Anteile) und Steuern – dort regelmäßig bis zur bestandskräftigen Veranlagung plus Sicherheitszuschlag.

Weiterführende Inhalte

Alle Begriffe im M&A-Glossar. Vertiefend: Der M&A-Prozess aus Anwaltssicht, Die MAC-Klausel und unsere Partner für Recht & M&A.

Sie bereiten einen Verkauf vor oder wollen Ihr Zahlenwerk transaktionsfähig machen? Im kostenfreien Erstgespräch (20 Minuten) ordne ich Ihre Situation ehrlich ein – und auf der Seite Unternehmensverkauf finden Sie unseren Sell-Side-Prozess im Überblick.

Mehr davon? Matthias publiziert nahezu täglich CFO- & M&A-Insights auf LinkedIn – und als Video auf YouTube.

Das könnte Dich auch interessieren