Letter of Intent (LOI): Was die Absichtserklärung beim Unternehmensverkauf wirklich bindet

Letter of Intent (LOI): Was die Absichtserklärung beim Unternehmensverkauf wirklich bindet

Definition – Letter of Intent (LOI): Ein Letter of Intent (LOI) ist eine Absichtserklärung im M&A-Prozess, in der Käufer und Verkäufer die Eckpunkte der geplanten Transaktion festhalten – insbesondere Kaufpreisspanne, Struktur und Zeitplan. Er ist überwiegend rechtlich unverbindlich; bindend sind regelmäßig nur Exklusivität, Vertraulichkeit und Kostenregelungen.

Welche Funktion der LOI im Verkaufsprozess hat

Der LOI markiert den Übergang von der Anbahnung zur Transaktion: Nach Teaser, Vertraulichkeitsvereinbarung, Information Memorandum und ersten Gesprächen legt der Käufer schriftlich vor, zu welchen Eckpunkten er kaufen will. Erst auf dieser Basis öffnet der Verkäufer den Datenraum für die Due Diligence. Ein typischer LOI enthält Kaufpreis oder Kaufpreisspanne samt Bewertungsgrundlage, die Transaktionsstruktur (Share Deal oder Asset Deal), Finanzierungsangaben, den Zeitplan, den Umfang der Due Diligence und die Exklusivitätsfrist – üblich sind 60 bis 90 Tage.

Was wirklich bindet – und was nicht

Die Kaufpreisangabe im LOI ist keine Zusage. Sie steht unter dem Vorbehalt der Due Diligence, und professionelle Käufer nutzen genau das: Ein hoher indikativer Preis sichert Exklusivität, danach wird über Findings systematisch nachverhandelt („Re-Trading“). Rechtlich bindend sind dagegen fast immer die Exklusivität (der Verkäufer darf mit keinem anderen Interessenten verhandeln), die Vertraulichkeit und gelegentlich Break-up-Fee- oder Kostenklauseln. Faktisch bindet der LOI außerdem stärker, als er rechtlich müsste: Die dort fixierten Eckpunkte sind der Anker jeder späteren Verhandlung über den Unternehmenskaufvertrag.

Worauf Verkäufer vor der Unterschrift achten sollten

Erstens: Bindungswirkung präzise regeln – was unverbindlich sein soll, muss ausdrücklich so bezeichnet sein. Zweitens: Exklusivität nur gegen Substanz. Wer exklusiv verhandelt, gibt sein wichtigstes Druckmittel auf – die Frist gehört deshalb kurz gehalten und an Meilensteine geknüpft. Drittens: Bewertungsgrundlage und Kaufpreismechanismus (Locked Box oder Closing Accounts, Definition der Verschuldung) bereits im LOI skizzieren; alles, was hier offenbleibt, wird später gegen die Partei ausgelegt, die unter Zeitdruck steht – und das ist nach drei Monaten Exklusivität fast immer der Verkäufer. Viertens: Prüfen Sie die Finanzierungskraft des Käufers, bevor Sie unterschreiben. Woran Sie Interessenten ohne Substanz erkennen, habe ich in der Podcast-Folge zur Roll-Up-Lüge ausführlich beschrieben.

Häufige Fragen zu Letter of Intent (LOI)

Ist ein Letter of Intent rechtlich bindend?

Überwiegend nein: Die wirtschaftlichen Eckpunkte wie Kaufpreis und Struktur sind regelmäßig unverbindlich. Bindend sind üblicherweise nur einzelne Klauseln – Exklusivität, Vertraulichkeit, Kostentragung. Entscheidend ist die ausdrückliche Regelung im Dokument selbst; eine unklare Formulierung kann ungewollte Vorvertragswirkung entfalten.

Was ist der Unterschied zwischen LOI und Term Sheet?

Inhaltlich wenig – beide fixieren Eckpunkte vor dem Kaufvertrag. Das Term Sheet ist meist stichpunktartig und tabellarisch, der LOI als Brief formuliert. In der M&A-Praxis werden die Begriffe weitgehend synonym verwendet; entscheidend ist der geregelte Grad der Bindungswirkung, nicht die Überschrift.

Wie lange dauert es vom LOI bis zum Closing?

Marktüblich sind drei bis sechs Monate: vier bis zehn Wochen Due Diligence, danach Verhandlung des Kaufvertrags, Signing und – je nach Bedingungen wie Kartellfreigabe oder Finanzierung – der Vollzug. Komplexe Strukturen oder schlechte Datenlage verlängern den Prozess deutlich.

Weiterführende Inhalte

Alle Begriffe im M&A-Glossar. Vertiefend: Due Diligence, Der M&A-Prozess aus Anwaltssicht und Der 12-Monats-Fahrplan zur Exit-Readiness.

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Mehr davon? Matthias publiziert nahezu täglich CFO- & M&A-Insights auf LinkedIn – und als Video auf YouTube.

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